Wie kam es nun dazu, dass sich Geckobegeisterte trafen? Eigentlich war es ganz einfach, und doch klingt es recht unwahrscheinlich! Der Beginn des Ganzen fand im November 1985 in Berlin statt. Die Terraristik der damaligen Zeit unterschied sich sehr deutlich von dem, was heutzutage unter diesem Begriff verstanden und praktiziert wird. Damals war die kontinuierliche Vermehrung von Terrarientieren die Ausnahme, das Wissen über unsere Pfleglinge ungleich geringer, es wurden vergleichsweise wenige Geckoarten gehalten und es gab KEINE Terraristikbörsen. Im Rahmen der „Grünen Woche“ in Berlin trafen sich auf Einladung der Terrarien Gemeinschaft Berlin e.V. (TGB) zahlreiche Terrarianer zum Informationsaustausch. Denn innerhalb der „Grünen Woche“ gab es die Fachmesse „Heim, Tier, Pflanze“, auf der die TGB mit zahlreichen Schauterrarien, Vorträgen und Fachgesprächen für die Terraristik warb. Man kannte sich vom Telefon (Fax hatte niemand und der PC war noch Utopie [vom Schlepptopp ganz zu schweigen]), aber persönlich hatten sich die wenigsten vorher schon getroffen. Bei den Vorträgen und besonders bei den dann folgenden zahlreichen persönlichen Gesprächen wurden nicht nur noch immerwährende Bekanntschaften und Freundschaften geknüpft, sonders als wichtigstes wurde festgestellt, dass man Eines gemeinsam hatte: nämlich ein überproportional großes Interesse an Geckos. Es gehörte früher unabdingbar dazu, dass die Besucher (aus politischen Gründen handelte es sich bei diesen ausschließlich um „Wessis“) die Terrarienpfleglinge der Besuchten besichtigten. In Berlin nennen wir Personen, die eine solche Tätigkeit ausüben „Beckenkieker“.
Der eigentliche Entschluss, ein gemeinsames Treffen von Geckoliebhabern zu organisieren, reifte deshalb nicht auf der großen Ausstellung, sondern im kleinen Terrarienzimmer des Seniorautors
Wolfgang GROSSMANN während der Ausübung des „Beckenkiekens“. Folgende Geckofreunde waren in alphabetischer Reihenfolge an dieser weitreichenden Entscheidung beteiligt: Wolfgang GROSSMANN,
Friedrich Wilhelm HENKEL, Joachim SAMEIT, Christian SCHäFER, Erwin SCHRöDER und Thomas und Elke ULBER. Die vielen unterschiedlichen Berichte und Erfahrungen der Anwesenden über die von ihnen
gepflegten Geckos wurden wissbegierig von Allen aufgesogen. Das Verlangen, sich weiterhin mit Gleichgesinnten auszutauschen, stieg dabei immer weiter an und gipfelte in dem Wunsch, sich wieder
gemeinsam zu treffen. Am besten einmal jährlich für mehr als einen Tag. Drei Tage, das wäre doch eine feine Sache, damit auch genügend Zeit für die Diskussion der anstehenden Probleme,die
zahlreichen Fachvorträge und die Beckenkiekerei blieb. So wuden kurzerhand Nägel mit Köppen gemacht und der sympathische Herr aus Kiel bot sich an, sogleich das nächste Treffen bei sich zu
organisieren und auszurichten. Dabei handelte es sich um einen gewissen SCHRöDER, Erwin, der in der Geschichte der Geckotagungen immer wieder entscheidende Impulse geben sollte – doch davon
später.
Dieses Treffen in Berlin wird in der späteren Zeitrechnung als „Erste Geckotagung“ gezählt, um ihrem spontanen Charakter und die Leidenschaftdes Beginns – den sogenannten Urknall – zu würdigen. Im Nachhinein muss man ehrlich zugeben, die Zeit für diesen Entschluss war einfach überreif!!! Gerne würden wir uns die Feder der großen Visionäre an der Hut stecken, aber dass lehnen wir ganz bescheiden ab, denn keiner von uns hat damals damit gerechnet, dass die später folgenden Geckotagungen ein solcher Renner werden würden. Dennoch muss man den Ideengebern unbedingt Spontanität und Handlungswillen bescheinigen! Tja, und so kam es, dass aus dieser gänzlich ungezwungenen Beckenkiekerei und Fachsimpelei die Idee der weiteren Treffen geboren wurde – wie sich im Nachhinein zeigen sollte, ein wahrhaft hervorragender Gedanke. Denn daraus wurde die „Internationale Tagung der Geckoliebhaber“, die heutzutage weltweit größte Veranstaltung ihrer Art in Sachen Geckos. Das schönste war damals, dass es bis zum zweiten Treffen in Kiel nicht mehr lange hin war, denn alle Anwesenden einigten sich auf ein Wochenende im Frühjahr als Treffpunkt. Es galt die arbeitsfreien Tage zu nutzen, und sie mit Geckothemen zu füllen. Dennoch vergingen einige Jahre, bis das Treffen auch wirklich immer über Pfingsten abgehalten wurde. Trotzdem konnte während der ersten Jahre niemand mit dem großen Erfolg rechnen, den die zukünftigen Tagungen haben würden, die von immer weiteren interessierten und versierten Geckorianern besucht wurden. Bevor wir hier auf die Tagungen im Einzelnen weiter eingehen, wollen wir zu erklären versuchen, wodurch die Geckotagungen zum Erfolg wurden und weshalb sie so beliebt waren und sind. Unserer Meinung nach tragen dazu mehrere Gründe bei.
1. Zuerst ist es eine wunderbare Idee, zahlreichen Gleichgesinnten wieder einmal begegnen zu können, ihnen persönlich die Hand zu schütteln und direkt und ungezwungen fachsimpeln zu können.
2. Das Tagungskonzept sieht vor, dass ein Geckorianer aus einem bestimmten Einzugsgebiet das Zepter übernimmt und mit Hilfe von ortsansässigen Terrarianern, Freunden, Bekannten und Verwandten die
jeweils kommende Tagung plant, ausrichtet und abhält. Dadurch hat Jeder mal eine weitere oder kürzere Anreise und die Beckenkiekerei ist jedes Mal spannend.
3. Seit geraumer Zeit wird das Geckohighlight über die Pfingstfeiertage abge
halten, da dadurch genügend Zeit für interessante Programme mit Fachvorträgen zu feldherpetologischen Aspekten, Biotop- und Habitatdaten und natürlich zu Haltung und Vermehrung unserer Geckos
vorhanden ist.
4. Die Vortragenden erhalten für ihre Bemühungen ein kleines Dankeschön, dass zumeist in Form eines gerahmten Fotos ausgedrückt wurde, jedoch gab es auch andere Geschenke.
5. Im Laufe der ersten Tagungen hat sich schnell herausgestellt, dass neben den offiziellen Programmpunkten die Zeit für die persönlichen Kontakte eigentlich das wirklich Wichtige ist.
6. Es wurde bewusst abgelehnt, einen „ordentlichen Verein“ aus unserer Veranstaltung zu machen. Keiner ist „Vorturner“, die beitragsfreie Mitgliedschaft erfolgt auf persönlicher Basis und wird
nur durch Interesse ausgelöst (Gecko-Gen?). Weit mehr als 35 Jahre haben gezeigt, dass dieses Konzept erfolgreich ist: Fazit: Jeder kommt, weil Keiner muss!
Es gibt eine große Anzahl von Geckorianern, die jede Geckotagung besuchen. Doch durch die jeweils anderen Veranstaltungsorte kommen auch ständig neue zu Besuch. So ist es eine Freude zu sehen,
wie die sogenannten „alten Hasen“ heute mit zahlreichen jungen Geckofreunden zusammenarbeiten. Denn ohne vernünftig infizierten Nachwuchs wird die Geckotagung die nächsten 35 Jahre nicht
erfolgreich überstehen. Wichtig ist und bleibt einfach die Möglichkeit zur persönlichen Bekanntschaft. Hier kann man nachfragen, Tipps bekommen, und feststellen, dass der ein oder andere Berühmte
oder Berüchtigte eigentlich ganz unkompliziert ist. Im Vorfeld jeder Tagung gibt es eine traditionelle Möglichkeit, Partner für alteingesessene Singlegeckos erwerben zu können. Dadurch ist man
dann maßgeblich an weiteren Kuppeleien der Geckos beteiligt, denn sie leben schließlich nicht nur von Grillen und Fruchtbrei allein. Selbstverständlich kommt es hier auch durchaus zu manchem
Neuerwerb, vorausgesetzt die Haushaltskasse und der General erlauben es. Denn so manch Einer hat wegen seiner Liebe zu den Geckos schon mal Schwierigkeiten mit seiner häuslichen Regierung
bekommen.
Zwei der Gründungsmitglieder in späteren Jahren. Links Friedrich Wilhelm Henkel und rechts Erwin Schröder.
